August 2021

Die Nacht

Zeit der Dunkelheit und Zeit der Träume

Zeit der Ruhe
wenn unser Bewusstsein mit der Sonne
unter den Horizont gleitet
oder Zeit der Ungeheuer
wenn Ängste sich dehnen und machtvoll
sich alle Schwächen
gegen uns richten

die Nacht ist uns
eine Lebenskonstante
vertraut verlässlich
immer wiederkehrend
ob herbeigesehnt oder gefürchtet
ist sie unabwendbar

Sie dringt in unser Innerstes
verdichtet was ist
hält Geheimnisse bereit
und es lassen sich Geheimnisse in ihr
verbergen
manche gar für immer

und Nacht für Nacht steigen Träume auf
die meisten verschwinden schnell wieder
doch träumen lässt sich üben
und Träume versammeln sich gern

Die Nacht in ihrer Stille
hält viel für uns bereit
das Gute und alle Schrecken
und uns selbst
und irgendwo immer auch
die Liebe

versenken wir uns
in nächtliche Zustände
Stimmungen und Wahrheiten
lassen uns fallen in ihre Notwendigkeit
die Nacht ist uns Ruhestätte
Erkenntnisquelle Liebesnest

sie lüftet Dunkelheit
mit hellen Visionen
erlaubt uns Blicke
auf die in uns glühenden Träume
lässt die Sprache der Sterne
uns verstehen


Lesung bei „Die Nacht“ – Sommerlesereihe 2020 des Literaturkeises Podium im Cafe Prückel


Juli 2021

Vom Gelingen

Hell voran schreiten
die Bewegung ist dem Gelingen
schon enthalten
wie das Licht
und der Duft nach Linden

eine Aufmunterung
eine Hoffnung
ein Ankommen in Sicht
wohlig steigt ein Lächeln auf
ja es wird gut

und wenn nicht
schält sich die Enttäuschung
und darunter liegt ein Schmerz
umarmt von Trauer
und es folgt ein notwendiges Ruhn

dann weitet sich wieder hell die Zuversicht
und es erwacht der Duft der Linden
in mir erblüht zartgrün Dankbarkeit
jetzt sprießen auf Feldern der Niederlagen
die allerschönsten Blumen

Juni 2021

Tiefseeliebe

wir schwammen
frei mit Schwärmen
nicht in Meeren
doch in kleinen Seen
und wir verschwammen
ganze Nächte lang

und Schuppen fielen und
wuchsen schnell nach
wir trieben in Wellen
und trieben es in Wellen und
weilten dann
bis der Morgen kam

Mai 2021

Hingabe

Die Rapsblüten in großer Schar
singen ihre Lieder
aus wohlgeformtem Blütenmund
entströmt leuchtend gelb ihr Übermut

sie wiegen mit Lust sich
in aller Winde Launen
ein paar nur mitten unter ihnen
wollen nicht und staunen lieber still

alle aber strecken sich zum Himmel hin
und laben sich am Blau und am Sonnenlicht
um kraftvoll sich zu verschenken
in gelbstrahlend Hingabe, als größten Sinn

April 2021

Waldstreunen

weit ab von allem und von sich
nur sein
im Wesentlichen vagabundieren
sich dem Moosgrün anvertrauen
versinken im Erdpuls
langsam heil bleiben können
im weitergehen Bäumen lauschen
und alles verstehen
aus dem Herznabel atmen
innehalten und Bedeutsames finden
die Füße nackt in feuchter Erde wurzeln

März 2021

Am Morgen

Gleich zu Sonnenaufgang
sinkt die Mondin in meinen Bauch
und ruht
im Auf und Ab meines Atems

ich umarme die Sonne
löse mich auf in warmes Goldlicht
und bin doch fest in meinem Frauenleib
Teil der Welt

ein Mensch wie du
Urwissen in einer Seele
umhüllt von Fleisch und Haut
und blutrot schlägt mein Herz
wie deins